Die Königsfarm

Am Sonntag den 19ten Juli erreichten wir die Königsfarm. Sofern man sich im Vornherein über die Königsfarm informiert, so liest man von einem Anwesen im Hunsrück, auf dem seit 1990 alte Kultur- sowie essbare Wildpflanzen kultiviert und vermehrt werden. Man erfährt ebenso von Friedmunt Sonnemann, einem Aussteiger, der dort in einer Lehmhütte lebt und seinen Unterhalt mit dem Verkauf von Saatgut über Dreschflegel bestreitet. Wir haben uns nicht vorher informiert, da wir gerne unvoreingenommen neue Orte betreten. So kam es, dass wir die Touristenstadt Bernkastel-Kues und deren leuchtendes Riesenrad hinter uns ließen und uns Schritt für Schritt der Königsfarm näherten, gespannt darauf was uns erwarten würde.

Blick vom Kaiserstuhl auf Bernkastel-Kues

Dezent lugten erste selbstgemachte Zaunpfosten zwischen den Buchen hervor, als wir uns dem Anwesen näherten. Weiter hinten sahen wir eine Hängematte und den ersten Bauwagen. Von einem „Anwesen“, wie man es sich vielleicht klassischer Weise vorstellt, kann nicht die Rede sein. Vor Ort sahen wir all das, was man auch im Internet über die Königsfarm erfahren kann. Zum Beispiel, dass es kein fließendes Wasser gibt und keinen Strom. Dass die kleine, bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft in zwei Lehmhäusern, in Bauwägen und einer Scheune lebt. Dass das Wasser tröpfchenweise aus einer nahen Quelle stammt, aus der das Wasser für den täglichen Bedarf mit einem Behälter aufgefangen wird. Wir sahen die Möbel, die vorwiegend selbst gemacht sind, ebenso wie es auch bei den Häusern der Fall ist. Zudem gibt es kein Internet und Mobiltelefone sind verboten.

Dee wahre „Wert“ des Ortes bleibt jedoch außen vor und er ist auch unmöglich zu greifen, ist man nicht selbst dort gewesen. Bei unserer Ankunft wurden wir mit einer Herzlichkeit empfangen, wie wir sie bis dato auf unserer Reise mitunter vermissten. Das ist nicht falsch zu verstehen, die Leute sind nett und interessiert, aber wir waren das erste Mal nicht die Attraktion, auf die man die Kamera hält, sondern einfach „wir“. Wir wurden nicht gefragt, was und wo wir studiert hätten, ob wir die Reise nicht in einen Dokumentarfilm packen wollen würden, wie wir uns finanzieren, ob wir obdachlos seien usw. Wir durften einfach, so wie alle anderen auch, sein und durchatmen.

Vor Ort lernten wir die unterschiedlichsten Charaktere kennen, welche bereits seit Anbeginn oder temporär die Königsfarm zu ihrer Heimat und/oder ihrem persönlichen Ort der Zuflucht gemacht haben. Ein typischer Tag auf der Königsfarm beginnt damit, dass Friedmunt die bunte Truppe morgens mit einer Panflöte aus den jeweiligen Schlafquartieren lockt, während auf dem Tisch bereits das Frühstück wartet. Ansonsten kommt man während der täglichen Arbeiten, beim Mittag- oder Abendessen, dem abendlichen Agnihotra, einem alten vedischen Feuerritual, oder einfach an der Feuerstelle zusammen. Dabei nimmt sich Friedmunt gerne Zeit für die Fragen seiner Besucher*innen rund um „Gott und die Welt“.

Es ist ein friedlicher Ort, bei dem man das Gefühl hat, er reiche einem geradezu die Hand um dazu einzuladen, ein bisschen länger zu verweilen. So kam es, dass wir, statt den ursprünglich vorgesehenen zwei Tagen, fast eine ganze Woche die kleine Gemeinschaft bei ihren Arbeiten begleiteten und mithalfen.

Da die Königsfarm ein Ort der Begegnung und des Austausches ist, freuten wir uns riesig, dass unser lieber Freund Jan, der uns eine Weile begleiten wollte, ebenso herzlich willkommen geheißen wurde, wie es bei uns der Fall gewesen war.

Wir treffen Jan in Bernkastel-Kues, von wo aus er uns auf die Königsfarm begleitet

Als wir die Königsfarm gemeinsam verließen waren wir uns alle einig, dass es sich nicht um unseren letzten Besuch dort gehandelt hat. Und so gingen wir frohen Mutes und ohne den Schmerz des Abschiedes erneut durch Bernkastel-Kues und zurück auf den Moselsteig in Richtung Trier. Vielen Dank ihr Lieben und bis bald.

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