Als Carou uns fast verließ

Auf dem Weg nach Trier erreichten wir Schweich,
ein kleines Örtchen mit einer Eisdiele und
noch viel wichtiger, mit einem Heilbrunnen sammt Kneipp Becken und
idyllischer Parklandschaft.
Das fließende Trinkwasser, der schöne Park,
die Schutzhütte und die Möglichkeit Pizza zu bestellen, machten dieses Plätzchen zum perfekten Pausenort.

Kneipp Oase


Fröhlich springende Ziegen und nette Bekanntschaften
waren Kulisse für unseren dritten vollen Monat auf Tour.
Nach einer fast ruhigen Nacht (um 12 kam plötzlich jemand zum Kneipp Becken reinigen vorbei)
starteten wir gut gelaunt in unseren vierten Monat
Richtung Solawi Trier.
Ein bisschen euphorisch gingen wir los und Sonnenschein und nette Begegnungen
begleiteten uns, bis wir den Wald vor Quint erreichten.
Diesen zu durchqueren sollte vielleicht zwei Stunden dauern… dachten wir zumindest.
Während einer Pinkelpause blieb Carou plötzlich apathisch stehen.
Dann lief grüner Schleim aus ihrem Mund, während sie noch
reflexartig vor sich hin kaute. Zum Glück hat Christine sofort gemerkt,
dass es Symptome einer Vergiftung sind. Wir haben ihr zuerst ein Mittel gegen Koliken verabreicht
und dann bin ich zur nächsten Apotheke gelaufen, um Aktiv Kohle Tabletten
zu besorgen. Dummerweise waren es zwischen knapp drei Kilometer
bis zur nächsten Apotheke. Als ich etwa 45 Minuten später wieder bei unserer zukünftigen Krankenstation war,
haben wir Carou aufgelöste Kohletabletten mit einer Spritze in den Mund verabreicht, um die Giftstoffe zu binden.

Krankenstation im Wald


Der Trick bei Wiederkäuern ist wegen der vier Mägen die Dosierung. Gibt man zuviel kommt es zu einem Magenverschluss
gibt man zu wenig, wirkt es nicht. Wir haben ihr alle acht Stunden zwei Tabletten gegeben.
Die Spritze war sehr unangenehm für Carou. Die Tabletten zu pulverisieren und ihr einfach in den Mund
zu geben hat am besten funktioniert.
Auch wenn es bis dahin schlimm war, hatten wir den Eindruck, wenn es so bleibt, kommt sie durch.
Wir waren uns schnell sicher, dass sie sich mit Rhododendron vergiftet hat, was eine der giftigsten Pflanzen für Ziegen ist.
Dann ist es richtig schlimm geworden. Wenn Wiederkäuer kotzen müssen, ist das problematisch, denn sie haben den Reflex das Hochgewürgte zu kauen
und wieder runterzuschlucken. Das ist natürlich fatal, denn das bedeutet, Carou hat das Gift immer wieder gekaut und weiterverdaut.
Carou wurde von Krämpfen geschüttelt hin und hergeworfen, damit der Körper allein durch die Wucht der Bewegung endlich das Erbrochene los wird.
Ich dachte tatsächlich, das ist das letzte Aufbäumen vor ihrem Tod… das war das erste, aber nicht das letzte Mal in dieser Nacht.
Ohne ins Detail zu gehen, kann ich sagen, dass ich noch nie jemanden habe so leiden sehen und wenn ich mich wieder
an die Schreie erinnere kommen mir die Tränen.
Wir waren die ganze Nacht bei ihr und haben abwechselnd geschlafen und bei Carou gewacht.
Und gegen acht Uhr morgens, hat sie einmal laut „MÄH“ gemacht, war mit ihrem Bewusstsein plötzlich wieder da und hat drei Liter Wasser getrunken.
Es hat danach noch drei Tage gedauert, bis sie wieder gehen konnte und mittlerweile ist sie
wieder genauso stark wie vorher.


Wir waren unmittelbar mit dem Tod unserer Mitreisenden
konfrontiert und sind unglaublich dankbar, dass
Carou dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen ist. Und auch wenn alles gut ging, hat es unsere Reise und unser Verhältnis zu den Ziegen verändert.


Wir haben das als erste Warnung interpretiert und wir könnten uns es nicht verzeihen, wenn tatsächlich eine Ziege auf unserer Reise stirbt.
So fühlt es sich im Moment an, als würde sich unsere Reise dem Ende nähern. Das werden wir aber den Winter über erstmal sacken lassen und im Frühjahr fällt dann die Entscheidung, wie es weiter geht.
Jetzt freuen wir uns auf die nächsten Stationen, bei denen wir auch länger bleiben wollen und den Luxus den ein fester Aufenthaltsort so mit sich bringt.

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